" Fakten über Kinder aus Suchtfamilien "

1. Alkoholismus beeinflußt die ganze Familie.

  • Das Leben in einer Familie mit einem nicht zum Entzug bereiten Mitglied kann für alle Familienmitglieder zu großem Streß führen.
  • Jedes Mitglied kann unterschiedlich davon betroffen sein. Jedoch nicht alle Familien mit einem Alkoholiker erleben diesen Streß auf gleiche Art und Weise. Auch die Reaktionsweisen auf Familienstreß sind sehr unterschiedlicher Art.
  • Kinder aus suchtbelasteten Familien haben andere Lebenserfahrungen als Kinder aus herkömmlichen Familien. Kinder aus anderen dysfunktionalen Familien können die gleichen Entwicklungsstörungen wie Kinder aus suchtbelasteten Familien haben.
  • Kinder, die mit einem suchtkranken, "nassen" Elternteil zusammenleben, schneiden hinsichtlich Familienzusammengehörigkeit, intellektuell-geistiger Orientierung, aktiver Freizeitgestaltung und Unabhängigkeit schlechter ab als andere Kinder. Sie erleben außerdem stärkere Konfliktsituationen innerhalb der Familie.
  • Viele Kinder aus suchtbelasteten Familien erleben andere Familienmitglieder als distanziert und kontaktarm.
  • Kinder aus suchtbelasteten Familien sind oft daran gehindert, in einer gesunden, altersentsprechenden Art aufzuwachsen.
  • Das Ausmaß der Fähigkeit oder Unfähigkeit seitens des nicht-alkoholabhängigen Elternteils, Schutz und seelisches Wohlergehen zu ermöglichen, ist ein Hauptfaktor in der Stärke der Problemeinwirkung auf die Kinder.
2. Viele Menschen berichten von einem Alkoholiker in ihrer Familie.
  • 76 Millionen Amerikaner, ca. 43% der US Erwachsenen Bevölkerung, berichten von einem Alkoholiker in ihrer weiteren Familie. In Deutschland rechnet man mit 2,5 Millionen alkoholabhängigen Menschen, in deren unmittelbarer Umgebung wiederum ca. 2 Mill. Kinder und Jugendliche aufwachsen.
  • Etwa einer von fünf erwachsenen Amerikanern (18%) ist mit einem Alkoholiker in der Familie aufgewachsen. In Deutschland sind es etwa 6 Millionen Menschen, die als erwachsene Kinder aus suchtbelasteten Familien in einer hochbelastenden Umwelt aufgewachsen sind.
  • Ungefähr einer von acht erwachsenen Amerikanern trinkt und ist Alkoholiker oder hat Probleme aufgrund seines Alkoholkonsums. Dies kostet die Gesellschaft ca. $166 Milliarden pro Jahr.
  • Es gibt ca. 26.8 Millionen Kinder aus Suchtfamilien in den Vereinigten Staaten. Vorläufige Untersuchungen ergaben, daß davon 11 Millionen unter 18 Jahre sind. Die Gesamtzahl der Kinder aus einer suchtbelasteten Familie in Deutschland beläuft sich auf ca. 8 Mill. Personen aller Altersstufen, davon 2 Mill. jünger als 18 Jahre. Etwa 30% dieser Personen werden irgendwann in ihrem Leben suchtkrank.
3. Es gibt starke wissenschaftliche Beweise, daß Alkoholismus erblich ist. Kinder aus Suchtfamilien besitzen eine höhere Wahrscheinlichkeit alkohol- oder drogenabhängig zu werden als Kinder aus herkömmlichen Familien.
  • Forschungen haben ergeben, daß 1/3 der untersuchten Alkoholiker einen Elternteil hat, der selbst alkoholabhängig war.
  • 25% bis 30% aller Kindern aus suchtbelasteten Familien werden selbst wieder suchtkrank werden, wenn ihnen nicht frühzeitig geholfen werden kann.
4. Alkoholismus beeinträchtigt Ehen
  • Dreimal so viele getrennt oder geschiedene Männer und Frauen waren mit einem Alkoholiker oder Problemtrinker verheiratet als andere geschiedene Personen.
  • Fast 2/3 der getrennt lebenden oder geschiedenen Frauen, und ungefähr die Hälfte der getrennt lebenden oder geschiedenen Männer unter 45 Jahre, hatten einen Alkoholiker in ihrer Familie.
5. Ein großer Anteil der menschlichen Gewalt wird dem Alkohol zugeschrieben und Gewalttäter sind oftmals betrunken.
  • Alkohol ist zu 68% ein Faktor bei fahrlässiger Tötung, zu 62% bei tätlichem Angriff, zu 54% bei Mord, zu 48% bei Raubüberfällen, und zu 44% bei Einbruch.
  • Das beeinträchtigte Einschätzungsvermögen und die Gewalttätigkeit, erleichtert oder hervorgerufen durch Alkoholmißbrauch, führen zur "Alkohol-Kriminalität".
  • Studien über häusliche Gewalttätigkeit haben dokumentiert, daß in solchen Fällen gewöhnlich Alkohol oder andere Drogen involviert sind.
6. Klinische Beobachtungen und vorläufige Forschungen bezeugen, daß es in den meisten Fällen eine Verbindung zwischen elterlichem Alkoholismus und Kindesmißhandlung gibt.
  • Bei 10-12% Alkoholikern unter der erwachsenen Bevölkerung weist die Mehrheit der Studien auf Alkoholkonsum bei Eltern hin, die ihre Kinder mißhandeln. Bereits mehrere Forschungen zeigen auf, daß Kindesmißhandlungen oft eine Folge von Alkoholkonsum sind.
  • Obwohl einige Studien darauf hinweisen, daß Inzestopfer aus Suchtfamilien stammen, müssen hier noch einige zusätzliche Studien gemacht werden.
7. Kinder aus Suchtfamilien zeigen leichter Symptome von Depressionen und Beklemmungen auf als Kinder aus herkömmlichen Familien.
  • Kleine Kinder aus suchtbelasteten Familien zeigen öfter Symptome von Depression und Sorge, z.B. weinen, Bettnässen, keine Freunde haben, Angst haben zur Schule zu gehen oder Alpträume. Ältere Kinder bleiben z.B. für längere Zeit in ihren Zimmern ohne Bezug zu anderen Kindern mit dem Vorwurf "Ich habe niemanden mit dem ich reden kann."
  • Jugendliche zeigen häufiger depressives Verhalten, bisweilen auch perfektionistisches Verhalten, horten Dinge, bleiben viel alleine, und sind übermäßig selbstkritisch. Jugendliche Kinder aus Suchtfamilien beginnen oft Phobien und andere Angstzustände zu entwickeln.
8. Kinder aus Suchtfamilien haben höhere Krankheitsbelastungen und -kosten als Kinder aus herkömmlichen Familien.
  • Krankenhausaufenthalte für Kinder von Suchtkranken wegen eigenem Suchtmittelmißbrauch sind dreimal so häufig wie die von anderen Kindern.
  • Krankenhausaufenthalte für Kinder von Suchtkranken wegen psychischen Störungen sind fast doppelt so häufig wie die von anderen Kindern.
  • Verletzungen sind mehr als eineinhalb mal häufiger als bei anderen Kindern.
  • Die Krankheitskosten für Kinder aus Suchtfamilien sind 32% höher als die von anderen Kindern.
  • Kinder aus Suchtfamilien werden im Verhältnis um 24% häufiger als andere Kinder in Krankenhäuser eingewiesen.
  • Kinder aus Suchtfamilien bleiben bis zu 29% länger in Krankenhäusern.
  • Kinder aus Suchtfamilien haben 36% höhere stationäre Heilbehandlungskosten als andere Kinder.
9. Kinder aus Suchtfamilien erzielen schlechtere Resultate in Sprachtests.
  • Kinder aus Suchtfamilien erzielen im Durchschnitt schlechtere Resultate in Tests für kognitive Fähigkeiten und Sprachfertigkeiten. Die Fähigkeit sich auszudrücken ist öfters beeinträchtigt, was ihre Schulleistungen beeinträchtigen kann, ihre Freundschaften zu anderen Kindern, die Fähigkeit eine intime Beziehung aufzubauen und zu erhalten, und sie sind bei beruflichen Vorstellungsgesprächen benachteiligt.
  • Diese schlechteren Testresultate bedeuten jedoch nicht, daß Kinder aus Suchtfamilien geistig behindert sind. Sie sind im Durchschnitt einfach um eine Prozentpunkte schlechter, d.h. im Einzelfall öfter benachteiligt.
10.Kinder aus Suchtfamilien haben oft Schulschwierigkeiten.
  • Kinder aus Suchtfamilien glauben häufig, daß sie Versager sind, auch wenn sie gute Schulnoten haben. Oftmals sehen sie sich selber nicht als erfolgreich.
  • Kinder aus Suchtfamilien sind öfters Schulschwänzer, verlassen die Schule frühzeitig, wiederholen Klassen, oder werden wegen Leistungs- oder Verhaltensproblemen einem Schulpsychologen vorgestellt.
  • Dies mag weniger aufgrund der schulischen Leistungen geschehen, sondern eher weil die Kinder aus Suchtfamilien Schwierigkeiten haben eine Beziehung zu ihrem Lehrer und der Schule aufzubauen. Sie haben öfters soziale Ängste oder Versagensängste.
11.Kinder aus Suchtfamilien haben größere Schwierigkeiten mit Abstraktionen und Begriffsbildung.
  • Abstraktionen und Begriffsbildung spielen eine wichtige Rolle bei der Lösung von Problemen, egal ob dies schulische Probleme oder Probleme aus dem alltäglichen Leben betrifft. Daher benötigen diese Kinder ganz besondere Anweisungen. Jemand sagt vielleicht "Ich möchte Dein Freund sein", aber ein Kind aus einer Suchtfamilie weiß nicht, was dies wirklich bedeutet, weil ihm entsprechende Konzepte und Erfahrungen fehlen. Daher müßte diese Person sagen "Ich möchte Dein Freund sein, was bedeutet, daß Du mich anrufst, wann immer Du Lust dazu hast, daß Du mich besuchen kommst, und einmal Samstags bei mir zu Abend ißt."
12. Kinder aus Suchtfamilien profitieren von den Bemühungen der Erwachsenen, die ihnen helfen:
  • Autonomie und Unabhängigkeit zu entwickeln.
  • eine soziale Orientierung zu bekommen und passendes Sozialverhalten zu entwickeln.
  • grundlegende Bedürfnisse zu befriedigen.
  • tiefe und tragfähige Bindungen zu entwickeln.
  • erfolgreich mit intensiven emotionalen Erfahrungen umzugehen, auch wenn diese Schmerzen und Leiden bedeuten, durch die sie aber schon sehr früh im Leben die Anerkennung anderer Menschen gewinnen.
  • eine positive Auffassung über das Leben zu entwickeln und aufrechtzuerhalten.
  • das tägliche Leben und unvorhergesehene Geschehnisse zu bewältigen.
13.Erhaltung von wichtigen Familienaktivitäten ("Ritualen"), wie z.B. Urlaube, Malzeiten, oder Ferien beschützen die Suchtfamilie.
  • Wenn der Alkoholiker in der Familie mit seinen Problemen konfrontiert wird, wenn die Familienrituale oder Traditionen geschätzt werden, wenn ständig andere Personen im Leben des Kindes oder Kinder sind, und wenn eine mittlere bis hohe religiöse Betreuung stattfindet, können Kinder aus Suchtfamilien vor den Problemen, die mit dem Aufwachsen in einer Suchtfamilie zusammen hängen, erfolgreich geschützt werden.
(Nach einer amerikanischen Vorlage der National Association of Children of Alcoholics [http://www.health.org/nacoa/] mit dem Titel "Facts About COAs" übersetzt und adaptiert von Michael Klein für RIAS; Stand: April 1998 entnommen aus :
RIAS-Information 04/98: Quelle www.rias.de/info.htm).
zurück zu > Fakten & Zahlen<